Neudorf zählt etwa 140 Einwohner. Das Straßendorf erstreckt sich am Hang einer flachen Mulde südlich der Verbindungsstraße Würzburg-Bamberg.
Es ist die einzige Siedlung der Großgemeinde ohne Kirche und gehört als Filiale zum nahegelegenen protestantischen Bimbach. Sie ist landwirtschaftlich geprägt. Die im Jahre 1237 als „nova villa“ erstmals urkundlich erwähnte Siedlung wurde vermutlich erst im 11. Jahrhundert als Rodungsflecken im dicht bewaldeten Steigerwaldvorland, wahrscheinlich im Auftrag der Würzburger Bischöfe, gegründet.
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts erwarben die Fuchs von Bimbach den Ort mit „allen Zugehörungen, Leuten, Gütern und Rechten“ und erhielten ihn als Lehen des Hochstifts. In ihrem Besitz blieb das Dorf bis zu Mediatisierung.
Neudorf
KULTURWEG
Neudorf wurde im Jahre 1237 als „nova villa“ erstmals urkundlich erwähnt. Es ist somit genauso alt wie Berlin. Gegründet wurde die Siedlung vermutlich im 11. Jahrhundert als Rodungsflecken im bewaldeten Steigerwaldvorland, wahrscheinlich im Auftrag der Würzburger Bischöfe.
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts erwarben die Fuchs von Bimbach den Ort mit „allen Zugehörungen, Leuten, Gütern und Rechten“ und erhielten ihn als Lehen des Hochstifts. In ihrem Besitz blieb das Dorf bis zu Mediatisierung.
Es wurde die Schafweide der Barone.
Neudorf ist heute ein Ortsteil der Stadt Prichsenstadt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen. Es ist landwirtschaftlich geprägt und besitzt als einzige Siedlung der Großgemeinde keine Kirche. Das Dorf gehört als Filiale zum nahegelegenen protestantischen Bimbach und zählt heute 140 Einwohner.
Das ehemalige Gemeindehaus oder Rathaus wurde vor 1864 erbaut und machte
mehrere Umbauphasen mit. Das Erdgeschoß war lange Zeit eine Gastwirtschaft, im 1. Stock befanden sich die Amtsstube und Wohnräume.
1928 wurde der Friedhof in Neudorf angelegt. In der Gruft befindet sich die letzte Ruhestätte des Reichsfreiherrn Hans Freiherrn Fuchs von Bimbach und Dornheim und seiner Gemahlin Eugenie Reichsfrau Fuchs von Bimbach und Dornheim, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Neudorfer Forsthaus Zuflucht fanden, nachdem amerikanische Truppen das Bimbacher Schloss besetzt hatten.
Innovativ waren die Neudörfer schon seit jeher: Um 1929 wurde das Gasthaus aus Buntsandsteinen aus dem Neuseser Steinbruch gebaut. 1957 kamen ein
Tanzsaal und eine Kegelbahn dazu. 1974 wurde aus dem Saal eine Wohnung, und die Kegelbahn musste einer Garagenzufahrt weichen. Seit 2022 führt die
Familie Roß in der 4. Generation die Traditionsgaststätte. Sie bildet immer noch den gesellschaftlichen Mittelpunkt des Dorfes und wurde inzwischen um
einen Friseursalon erweitert.
Ebenfalls in den 1920er erbaut wurde das Haus Nr. 23: Es entstand 1923 während der großen Inflation. Der damalige Bauherr Andreas Weber schreibt dazu:
„Dieses Haus wurde im Jahre 1923 von Maurermeister Friedrich Schüppel für 2 Millionen Mark gebaut. Der Rohbau wurde am 1. Mai begonnen und am 15. Juli konnten wir schon einziehen. Die Inflation ging so rasend vorwärts, dass die elektrische Lichtanlage schon auf 7 Millionen Mark kam. Die 2 Millionen Mark
für Schüppel nahm ich für einen Stier von etwa 7 Zentnern ein. Neudorf, den 12. Juli 1923 Andreas Weber“
In den Nachkriegsjahren 1948/49 wurde die Gemeindescheune zum Schulhaus umgebaut. Damals wurden fast 50 Schüler hier unterrichtet. 1965 wurde der Schulverband gegründet und 1970 war das Ende der Neudorfer Schule gekommen. Ein modernes, ortsbildprägendes Gebäude ist der Schlauch- und Glockenturm mit seiner asymmetrischen Dachform, der 1993 erbaut wurde. Er enthält ein Glöckchen, das zuvor auf dem Armenhaus bzw. auf dem alten Gemeindehaus läutete.
Wohnhaus Nummer 10
Von den Sandsteinhäusern in Neudorf sind nur fünf unverputzt übriggeblieben. Die Elemente, die ein fränkisches Steinhaus prägen, sind bei keinem mehr in Gänze vorhanden. Der rote Sandstein stammt aus dem Steinbruch von Brünnau. Auffällig sind die Fensterlaibungen und die Konsolen unter den Fensterbänken, die Ortsgänge und die Aufschieblinge. Es fehlt hier der sonst so markante Zwischensims und die Sprossenfenster. Doch werden wir durch die Ecklisenen – hier aus Bossensteinen – entschädigt.
Typisch ist auch der vorstehende Sockel. Heute baut man so, dass das Haus übersteht. Aber was fällt euch hier an der Sockelkante auf? Diese einzelne Kugel ist ein amtlicher Nivellementpunkt. Wir sind hier 272,749 m über dem Meeresspiegel, und am Ende der Straße, bei Hausnummer 28, sind es 272,923 m über dem Meeresspiegel.
Armenhaus Anwesen Nummer 14
Wo heute diese Scheune steht, stand einst das Armenhaus. Es war mit einem Dachreiter und dem darin befindlichen „Glöckla“ ausgestattet. Die Schneiders Kuni kam jahrelang ihrer Verantwortung für das Läuten nach. Nur mit der Pünktlichkeit nahm sie es nicht so genau. Wurde sie darauf angesprochen, dass sie doch eine Viertelstunde zu früh dran war, sagte sie immer: „Wenn geläutet ist, ist geläutet.“
1937 wurde das Armenhaus abgerissen, und 1939 wurde die Scheune gebaut. Das Steingewände des Wohnhauses trägt das Baujahr 1849.
Gasthaus Drei Linden Nummer 20
Um 1929 wurde das Gasthaus mit Bundsandstein aus dem Neusässer Steinbruch gebaut. 1957 kamen ein Tanzsaal und eine Kegelbahn dazu. 1974 wurde aus dem Saal eine Wohnung, und die Kegelbahn musste der Garagenzufahrt weichen.
Seit 2022 führt die Familie Ross in der vierten Generation die Traditionsgaststätte. Sie bildet immer noch den gesellschaftlichen Mittelpunkt des Dorfes. Viel Platz bietet bei sommerlichen Temperaturen der teils überdachte Innenhof sowie die drei schattenspendenden Linden.
Mit fränkischer Küche und Gerichten aus dem freistehenden Holzbackofen wird bei Anmeldung auf Wunsch des Gastes eingegangen.
Wohnhaus Nummer 23
Dieses Haus wurde von einem Seiler und Weber während der Inflation 1923 gebaut. In einer Handschrift heißt es wörtlich:
„Dieses Haus wurde im Jahre 1923 von Maurermeister Friedrich Scheel für 2 Millionen Mark gebaut. Der Rohbau wurde am 1. Mai begonnen, und am 15. Juli konnten wir schon einziehen. Die Inflation ging so rasend vorwärts, dass die elektrische Lichtanlage schon auf 7 Millionen DM kam. Die 2 Millionen DM für die Schippe nahm ich für einen Stier von etwa sieben Zentnern ein.“
Neudorf, den 12. Juli 1923 – Andreas Weber
Die entsprechende Lichtanlage bestand 1923 pro Raum aus einer Lampe in der Deckenmitte, einem Lichtschalter an der Tür und unter dem Lichtschalter einer Steckdose. Jahre später konnte man eine Doppelsteckdose mit Glühbirnen-Außengewinde in die Lampenfassung schrauben und dann in die Innenfassung wieder die Glühbirne einschrauben.
1911 begann mit Neudorf und Lülsfeld die Stromversorgung der ersten Gruppe vor Wald und größeren Nachbargemeinden. Am 17. Februar 1965 wurde das Ortsnetz schließlich auf 220 V umgestellt.
Gemeindehaus oder Rathaus Nummer 25
Es wurde vor 1864 erbaut und durchlief mehrere Umbauphasen. 1893 wurde erneut der Einbau einer Schule und eines Kirchenraums geplant. Das Erdgeschoss war lange Zeit eine Gastwirtschaft. Im ersten Stock befanden sich die Amtsstube und die Wohnräume.
Ab 1938 befand sich hier für sieben Jahre ein Kindergarten. Das im Dachreiter aufgehängte Glöckla stammte aus dem Armenhaus. Im Gemeindehaus wurde es vom ersten Stock aus geläutet.
1978 kaufte der Schreiner Ludwig Ritzau das Gemeindehaus und betrieb darin seine Schreinerei. Heute wird es von der Familie Liguori sehr schön und fachmännisch als Wohnhaus instand gesetzt.
1993 erhielt das Glöckla seinen Platz im Schlauch- und Glockenturm. Zehn Jahre später nahm man den Dachreiter vom Gemeindehaus herunter. Damit ging eine lange Tradition zu Ende, und so manch einer schaute wehmütig über den Lattenzaun in den Garten, wo das Türmchen sein Verfallsdatum überzog.
Wohnhaus Nummer 29
Hier wohnte 1911 die Landwirt-Witwe Maria Böhm. Sie wurde in der zweiten Versammlung zur Planung der Elektrifizierung als Genossin durch die Zahlung von 50 Goldmark aufgenommen.
Dadurch begann 1911 mit Neudorf und Lülsfeld die Stromversorgung der ersten Gruppe noch vor weit größeren Nachbargemeinden. Maria Böhm muss eine sehr aktive Frau gewesen sein. Im Gerolzhöfer Archiv wird sie als Schöffin beim Amtsgericht und als prominente Persönlichkeit Neudorfs geführt.
Kriegerdenkmal
Am 26. Juni 1927 fertiggestellt und 1928 eingeweiht. Es trägt die Namen der im Ersten Weltkrieg 1914–1918 gebliebenen zwölf Soldaten und der im Zweiten Weltkrieg 1939–1945 umgekommenen 13 Männer.
1928 wurde das Kriegerdenkmal mit der größten Feier, die es jemals in Neudorf gab, eingeweiht. Ein riesiger Umzug, unterstützt von den ehemaligen Bamberger Ulanen mit ihren Pferden, Abordnungen der verschiedenen Veteranen- und Kriegsvereine sowie Fahnenträgern.
Mit Fahnen geschmückte Häuser und herausgeputzte Ehrennamen gaben Neudorf ein festliches Gepränge.
Der Schafssee
Oder der Neudorfer See ist ein landschaftlich schönes Kleinod.
Ob Sommer oder Winter, er hat immer etwas Interessantes zu bieten bei einem 15-minütigen Spaziergang.
Je nach Jahreszeit gibt es immer etwas zu entdecken – in der Flora vom Aronstab bis zur Pappel, in der Fauna vom Biber bis zur Wildente.
Es lohnt sich.
Wohnhaus Nummer 34
Dieses Haus wurde von Franz Katzenberger 1911 ganz aus Buntsandstein aus dem Steinbruch Neuss in Anlehnung an den fränkischen Baustil gebaut.
Ohne Dachüberstand, die letzten Dachziegel reichten nicht einmal bis zur Giebelmauerkante und wurden einfach mit Mörtel verschmiert.
2002 wurde dies geändert.
Wir haben hier von den 23 Bruchsteingewölbekellern in Neudorf einen der kleinsten mit 7,50 × 3 m – das sind gleich 22,5 m². Die Katzenberger, Franz, Peter und Hans, waren je nach Saison Steinhauer, Schafscherer und Schuster.
Wurde ein paar Schuhe zum Besohlen gebracht, wurden die Kinder zu Fuß nach Gerolzhofen zum Schuhmacher Adam Friederich geschickt, um zwei Ledersohlen zu kaufen.
Der Hausname „die Schusters“ ist bis heute geblieben.
Alte Gemeindescheune Nummer 35
Ab 1949 Schule. 1966 wurde die Volksschule aufgehoben.
Die alte Gemeindescheune war bei vielen kleinen Parzellen unter den sechs kleinen Bauern aufgeteilt. Hier konnten sie die geringe Menge Getreide lagern, die meistens gerade für einige Geißen und Kleintiere reichte.
1938 war hier auch die Feuerwehrspritze und einige Gerätschaften der Gemeinde untergebracht. 1949 wurde die Gemeindescheune zur Schule umgebaut. Es gab damals 49 Schulkinder, die Schule war ein Zeichen von der großen Opferbereitschaft der kinderreichen Gemeinde.
Schon 1845, 1864 und 1866 wurde das Dilemma des weiten Schulwegs für die katholischen Kinder nach Siegendorf und für die evangelischen Kinder nach Bimbach bei Hitze und Kälte beklagt.
Nach dem 4. Mai 1893 wurde eine Schulstiftung beschlossen, 1920 gab es immer noch keine Schule in Neudorf. Die Volkszählung ergab 153 Einwohner, davon 139 evangelisch und 24 katholisch.
Nachdem die Inflation das Angesparte vernichtete, kam es erst am 7. August 1949 endlich zum Bau eines schlichten, freundlichen Schulhauses.
„Die kleine, völlig besitzlose Gemeinde hatte durch ihr gemeinsames Opfer für ihre Kinder ein Werk vollbracht, das würdig in die Heimatgeschichte eingehen wird“, so der Lehrer Karl von Hinten.
1964 wurde mit der Aufstockung ein weiterer Umbau gefeiert.
1966 wurde die Volksschule Neudorf aufgehoben und in die Verbandsschule Prichsenstadt eingegliedert. Somit wurde die Neudorfer Schule über 100 Jahre beklagt, geplant und dann nur von 1949 bis 1966 genutzt.
Heute befinden sich nach dem Verkauf und einem weiteren Umbau drei Mietwohnungen in diesem Gebäude.
Altes Wohn- und Stallgebäude
Anwesen Nummer 36 A
Dieses Haus, das um 1900 gebaut wurde, vermittelt uns trotz einiger Umbauten und Verbesserungen noch einen Eindruck von der Wohnqualität und dem Aussehen der Häuser, die das Dörfchen prägten. Selbst die noch heute abblätternden Farbschichten lassen erahnen, welches Raumgefühl sie damals vermittelten.
Nummer 36 B
Am 22. Januar 1935 schlossen Georg und Margarete Dürst einen Übergabe- und Leibgedingsvertrag mit dem ledigen Landwirt und ihrem Neffen, Michael Rodamer, für das Wohnhaus, den Viehstall, die Scheune, den Backofen, das Wasch- und Backhaus mit Obstdörre, den Hofraum, Garten und Baumgarten sowie 20 Parzellen Äcker und Wiesen.
Die größte Parzelle war 0,572 ha groß, alle anderen 19 waren kleiner. Trotzdem sahen nicht alle die Flurbereinigung als Segen.
Wohnhaus
Nummer 37
Hier wohnte 1945 der Bürgermeister Andreas Biber.
Er sorgte dafür, dass am 13. April 1945 an allen Häusern mit Blick auf die B 22 die weißen Fahnen gehisst wurden.
Am 19. April organisierte er die Bergung der sechs deutschen Soldaten, die aus einem deutschen Flugzeug von einem sogenannten Wehrwolf erschossen worden waren.
Dorfgemeinschaftshaus
Nummer 40
Um in den Genuss von Zuschüssen vom Amt für ländliche Entwicklung zu kommen, war eine Planung in der Rekordzeit von nur vier Wochen nötig, sodass am 10. Februar 2010 mit den Erdarbeiten begonnen werden konnte.
Durch Eigenleistung von rund 30.000 € und circa 90.000 € aus dem Konjunkturpaket II sowie den parallel dazu getätigten Verkauf der alten Schule konnten die Kosten für das komplette Gebäude von 230.000 € finanziert werden. Am 7. Mai 2011 fand dann die festliche Einweihung statt.
Laut Eingemeindungsvertrag vom Februar 1972 sollen das Schulhaus und das Gemeindehaus bei einer Veräußung des Erlöses für kommunale Zwecke im Stadtteil Neudorf verwendet werden. Das bedeutet, dass das Wohl der Einwohner im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge zu fördern ist.
So ist es auch geschehen.
Heute dient das Gebäude als Ortsmittelpunkt und Treffpunkt für Jung und Alt, für Ortsfeste ebenso wie für private Feiern.
Forsthaus
Nummer 41
Das 1935 gebaute Forsthaus gehörte ebenfalls zum Hofgut Bimbach und damit zum Besitz des Barons. Der Forstdienst wurde seit 1893 von der Familie Keidel wahrgenommen. Hier war die Wohnung des Försters des Barons. Valentin Keidel war 40 Jahre lang Förster des Barons.
Sein Arbeitsverhältnis wurde abrupt beendet, als Valentin Keidel, wie er meinte, einen wildernden Hund im Wald erschoss.
Doch es war kein wildernder Hund. Der Baron war mit seinem eigenen Hund auf der Pirsch. Das war dem Förster sein Verhängnis, dass er den Hund nicht erkannte. Valentin Keidel wurde sofort entlassen und musste ausziehen. Die Familie zog nach Gerolzhofen in die Saarstraße.
Zu der geringen Besoldung gehörte die Nutzung des Forsthauses mit den Nebengebäuden, 3 ha Ackerland, jährlich zwölf Ster Holz und Reisigwellen als Deputat.
Im April 1945 hatten die Amerikaner das Schloss in Bimbach als Kommandantur besetzt.
Der Baron und die Baronin wurden im Forsthaus in Neudorf einquartiert, obwohl die Familie Keidel mit zwölf Personen das Häuschen bewohnte.
Die missliche Lage dauerte bis Anfang August 1945. Mit einem Zimmer und einer Kochherdbenutzung ab 11:00 Uhr, denn vorher mussten die Keidels mit dem Kochen für zwölf Personen fertig sein. Da hätte sich auch der Normalbürger eingeschränkt gefühlt. Vom Landratsamt Gerolzhofen wurde dem Baron eine etwas bessere Wohnung auf der Hallburg bereitgestellt.
1964 kaufte Adolf Henkelmann das Anwesen von Herrn Reichsfreiherr Dietrich Fuchs von Bimbach und Dornheim sowie dessen Familie. Heute ist das Anwesen im Besitz von Jürgen und Sabine Henkelmann.
Schlauch- und Glockenturm
In der Dorfmitte steht seit 1993 der weithin sichtbare Schlauch- und Glockenturm mit seiner asymmetrischen Dachform.
Der Dorfplatz bildet das prägende natürliche Zentrum. Das Glöckla läutet schon auf dem Armenhaus gegenüber.
Dort steht heute eine Doppelscheune. Sie gehört zum alten Wohnhaus Nummer 14, das 1849 gebaut wurde. Damals läutete das Glöckla vom alten Gemeindehaus Nummer 25, und seit 1993 von diesem Turm. Von hier aus sehen wir auch den noch gebrauchsfähigen Backofen, das Dorfgemeinschaftshaus, das Feuerwehrgerätehaus und den Kinderspielplatz.
Neudorf wird erstmals 1237 als Nova Villa urkundlich erwähnt.
Somit ist Neudorf genauso alt wie unsere Hauptstadt Berlin.
Im Jahr 1407 kaufte Friedrich Fuchs das Neudorf bei Bimbach.
Alters Sitz
Nummer 43
Das Anwesen von Heinz und Leni Gegner sollte eines der Alterssitze des Barons werden. Hier war auch nach Valentin Keidel das Büro des Försters. Auf dem gleichen Grundstück stand auch das Haus des Schäfers, das 1935 baufällig einstürzte, als die Amerikaner das Schloss in Bimbach 1945 besetzten und der Baron ins Forsthaus Nummer 41 nach Neudorf zog.
Zug begann er, das Haus Nummer 43 zu planen und zu bauen, Josef Müller, heute wohnhaft in Schweinfurt, erinnert sich: „Mein Vater, ein Weber und Textilkaufmann aus Schluck Mau im Sudetengau, war aus der Gefangenschaft zurückgekehrt. Er fand seine fünf Kinder in Blankenburg im Harz bei fremden Leuten – jedes Kind bei einer anderen Familie. Seine Frau war im Dezember 1945 dort gestorben.“
Als die Amerikaner das Schloss in Bimbach wieder geräumt hatten, kam der Baron mit seiner Gattin von der Hallburg zurück. In dieser Zeit lernte mein Vater den Baron kennen. Der Baron versprach, wenn mein Vater den Bau organisiert und das Haus fertigstellt, würde der Baron alle Kosten übernehmen, so könnte er mit seinen Kindern dort einziehen. Zur Währungsreform 1948 war es dann soweit: Mein Vater richtete ein Zimmer als Weberei ein und fertigte dort Stoffe für Röcke und Teppiche.
Alte Schafscheune
Die alte Schafscheune steht eigentlich für die Gründung Neudorfs genauso wie der Flurname „Heidhügel“ oder das „Schafsee“, denn letztendlich war Neudorf doch die Schafweide der Barone.
Heute könnte niemand mehr sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ungestraft abreißen, wie es 1974 geschah.
Sie muss ein rustikaler Beweis hervorragender Zimmermannsarbeit gewesen sein. Die Holzhändler rissen sich um die alten, behauenen Balken. Sie stand dort, wo heute das Dorfgemeinschaftshaus steht, und reichte über die Straße hinaus bis ins angrenzende Anwesen.
Genutzt wurde sie vom Hofgut Bimbach. Der vordere Teil war im Winter Stall für die circa 200 Schafe von Georg Schmidt aus Brünnau. Noch heute schwärmen alle, die vor 1974 ihre Kindheit in Neudorf verbrachten, von diesem Tummelplatz der Jugend und Kinder, obwohl manchen Buben der Hosenstrang stramm gezogen wurde, weil sie das Verbot missachteten, in der Schafscheune zu toben. Doch sie hatte für die Jugend eine magische Anziehungskraft.
Oft halfen die Kinder dem Schäfer beim Heuaufstecken und Rübenhacken. Die Heu- und Grummeternte wurde vom Hof Bimbach und später vom Schafhalter selbst im Wiesengrund auf der Schafwiese durchgeführt. Kein Wunder, dass viele Neudorfer davon leuchtende Augen bekommen, wenn sie Streiche aus der alten Schafscheune erzählen.
Nach dem Tod des Barons, der kinderlos verstarb, wurde der Besitz der Freiherrlichen Fuchs’schen Forst- und Rentenverwaltung Burgpreppach und Bimbach wegen Erbauseinandersetzung unter Wert veräußert.
So wurde 1964 das Forsthaus an Adolf Henkelmann verkauft.
Einige Jahre später erwarb der Rechtsanwalt Ell aus Schweinfurt den Schafssee und den Gänsewasen, und der Wald wurde von Eleonore Sachs aus München, geschiedene Ehefrau von Ernst Sachs, verkauft, der ebenfalls Teilhaber der Firma Sachs aus Schweinfurt war. Frau Sachs verkaufte den Wald einige Jahre später um ein Vielfaches an den Freistaat Bayern. Die übrigen landwirtschaftlich genutzten Flächen wurden von dem Gutpächter Robert Laufer in Bimbach erworben. Damit erlosch die Ära des Barons bzw. der Reichsfreiherrn Hans Fuchs von Bimbach und Dornheim sowie die Freiherrliche Fuchs’sche Forst- und Rentenverwaltung in Neudorf.
Feuerwehr
Die älteste Aufzeichnung des Löschwesens in der Gemeinde Neudorf stammt vom 5. Juni 1842.
Am 27. Juni 2009 wurde im Rahmen des Dorffestes ein gebrauchtes TSF-Einsatzfahrzeug, ein Mercedes-Benz 310, seiner Bestimmung übergeben.
Friedhof
1928 wurde der Friedhof in Neudorf angelegt. Das Grundstück spendete Georg Dürst, obwohl er selbst in einem kleinen, ärmlichen Häuschen lebte, heute Hausnummer 36.
Geschichtsinteressierte besuchen die Gruft von Reichsfreiherrn Hans Fuchs von Bimbach und Dornheim, dem Baron, oder den Gedenkstein von Zirkusdirektor Stefan Althoff, den seine Nachkommen, die Schaustellerfamilie Michel, aufstellten.
Im Sommer 1962 wurde das Leichenhaus gebaut. Die erste Tote, die darin aufgebahrt wurde, war die Frau Kunigunde Schneider.